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Die Präsentation war seit einer Woche fertig. Trotzdem feilst du am Abend vorher noch an der dritten Folie, obwohl sie niemand kritisiert hätte. Du bist nicht langsam, weil dir die Fähigkeit fehlt. Du bist langsam, weil dein Anspruch dir selbst im Weg steht – und das trifft ausgerechnet die Leute, die eigentlich am meisten liefern könnten.

Zwei Perfektionismen, nicht einer

Der Psychologe Don Hamachek unterschied bereits 1978 zwischen zwei Formen: „normalem" und „neurotischem" Perfektionismus. Normale Perfektionist:innen streben nach hohen Standards und empfinden dabei echte Freude an ihrer Arbeit, ohne dass ihr Selbstwert daran hängt. Neurotische Perfektionist:innen setzen sich unrealistische Ziele und sind konsequent unzufrieden, selbst wenn sie sie erreichen.

Die Forscher Joachim Stoeber und Kathleen Otto haben diese Unterscheidung 2006 in einer vielzitierten Übersichtsarbeit präzisiert: Sie trennen das reine Streben nach hohen Standards („perfectionistic strivings") von der übermäßigen Sorge um Fehler und die Angst vor der Bewertung durch andere („perfectionistic concerns"). Ihr zentraler Befund: Das Streben allein ist nicht das Problem – und kann sogar mit besserem Wohlbefinden einhergehen. Schädlich wird es erst, wenn die Sorge dazukommt.

Woran du den Unterschied erkennst

Die Psycholog:innen Paul Hewitt und Gordon Flett unterscheiden dazu noch, woher der Anspruch kommt: Richtest du ihn an dich selbst (selbstorientiert), an andere (fremdorientiert) – oder empfindest du vor allem, dass andere ihn an dich richten („sozial vorgeschrieben")? Gerade diese dritte Form gilt als die belastendste: das Gefühl, dass dein Umfeld ohnehin Perfektion von dir erwartet und du dem gerecht werden musst, egal was du tust.

Praktisch zeigt sich der Unterschied so: Beim funktionalen Perfektionismus bleibt ein Fehler ein Fehler – ärgerlich, aber korrigierbar. Beim belastenden Perfektionismus wird ein Fehler zum Beweis der eigenen Unzulänglichkeit, wieder abgewogen und durchgekaut, lange nachdem er längst behoben ist.

Warum das gerade jetzt zunimmt

Die Forscher Thomas Curran und Andrew Hill werteten 2019 in einer großen Metaanalyse Daten von über 41.000 Studierenden aus den USA, Kanada und Großbritannien aus – erhoben zwischen 1989 und 2016. Ihr Befund: Alle drei Perfektionismus-Formen sind über diesen Zeitraum linear angestiegen, am stärksten der sozial vorgeschriebene. Jüngere Generationen erleben zunehmend das Gefühl, dass andere höhere Ansprüche an sie stellen als frühere Generationen das taten.

Warum es ausgerechnet die Besten bremst

Das Muster ist paradox, aber konsequent: Wer fachlich stark ist, erreicht seine eigenen hohen Standards oft tatsächlich – und genau das bestätigt den Anspruch, statt ihn zu senken. „Gut genug" fühlt sich nie wie ein Ziel an, sondern wie ein Kompromiss. Die Folge ist nicht Schlamperei, sondern das Gegenteil: endloses Nacharbeiten an Dingen, die niemand bemängelt hätte, verspätete Abgaben, weil noch eine Version fehlt, und die Vermeidung, etwas Unfertiges überhaupt zu zeigen. Der hohe Anspruch, der eigentlich für Qualität sorgen soll, wird zur Bremse.

Was du konkret tun kannst

Hoher Anspruch ist kein Fehler – er hat dich wahrscheinlich dahin gebracht, wo du heute stehst. Er wird nur zum Problem, wenn er nie zufrieden ist, egal was du lieferst.

Quellen & zum Weiterlesen

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Pascal Gabriel