← Zurück zum Blog

„Wie geht's dir?" – „Gut." Oder, wenn es gerade nicht gut ist: „Stressig." Damit ist das Gespräch über Gefühle für die meisten von uns auch schon zu Ende. Drei, vier Worte für alles, was in uns vorgeht. Das ist nicht viel.

Warum das ein Problem ist

Was du nicht benennen kannst, kannst du auch nicht ansprechen. Wer im Meeting nur merkt „irgendwas stört mich", aber nicht weiß, was genau, sagt am Ende entweder gar nichts – oder das Falsche.

Gefühle sind keine Privatsache, die man wegatmen muss. Sie sind Informationen. Sie sagen dir, dass etwas wichtig ist. Die Frage ist nur: was?

„Gestresst" ist selten die ganze Wahrheit

„Gestresst" ist so ein Sammelwort. Es klingt harmlos und ist sozial akzeptiert – jeder ist gestresst. Aber wenn man genauer hinschaut, steckt darunter fast immer etwas Konkreteres:

Und das ist der Punkt: Jedes dieser Gefühle führt zu einem anderen Gespräch. Wer „sauer" ist, geht anders in eine Situation als jemand, der sich „übergangen" fühlt. Das eine klingt nach Angriff. Das andere benennt ein Bedürfnis – und darauf kann das Gegenüber reagieren.

Übersicht zum Mitnehmen Gefühlsübersicht: die fünf Grundgefühle Angst, Ärger, Trauer, Freude und Ekel mit jeweils genaueren Begriffen

Mir hilft im Gespräch oft, Gefühle erst zu sortieren, bevor man sie ausspricht. Das hier ist die Übersicht, die ich selbst nutze – fünf Grundgefühle und die genaueren Worte darunter. Druck sie dir aus oder leg sie dir neben den Schreibtisch.

Als PDF herunterladen

Eigene Darstellung · PDF, A4 · kostenlos, keine Anmeldung

Wie ich das im Coaching nutze

Ich lege im Gespräch manchmal eine Übersicht wie diese auf den Tisch – nicht, um Menschen in Schubladen zu stecken, sondern um ihnen zu helfen, das Wort zu finden, das wirklich passt. Oft geht ein kleiner Ruck durch jemanden, wenn das richtige dabei ist: „Ja. Genau das ist es."

Dieser Moment ist mehr wert, als er klingt. Denn ab da kann man arbeiten – vorher dreht man sich im Nebel.

Probier es einmal aus

Das ist kein großes Programm. Nächstes Mal, wenn du „gestresst" oder „genervt" sagst, halt kurz inne und frag dich: Stimmt das – oder gibt es ein genaueres Wort? Vielleicht ist es Enttäuschung. Vielleicht Druck. Vielleicht Kränkung.

Du musst es niemandem sagen. Es reicht, wenn du es für dich weißt. Schon das verändert, wie du mit der Situation umgehst. Genauer fühlen heißt nämlich nicht, ständig in sich hineinzuhorchen. Es heißt nur: die richtigen Worte zur Hand zu haben, wenn es darauf ankommt.

Mehr zum Thema

Pascal Gabriel