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„Sorry, kurze Frage…", „Vielleicht ist das eine blöde Idee, aber…". Du entschuldigst dich, bevor du einen Satz zu Ende gesprochen hast. Das ist kein Zufall – und es ist auch keine Höflichkeit.

Es ist ein Signal. Bevor du sagst, was du denkst, machst du dich schon mal kleiner – für den Fall, dass es nicht gut genug ist. Das passiert nicht aus Schwäche oder fehlendem Können. Es passiert, weil tief drin die Annahme sitzt: „Was ich beitrage, ist nicht selbstverständlich wertvoll." Genau das ist Selbstwert im Job.

Sechs Muster, an denen du es erkennst

  1. Du relativierst deine Beiträge, bevor jemand sie hört. Das „nur" und das „vielleicht" rutschen automatisch in jeden Satz.
  2. Du sagst Ja, obwohl du Nein meinst – und ärgerst dich danach über dich selbst, nicht über die Anfrage.
  3. Kritik trifft dich tagelang, Lob perlt in Sekunden ab. Das eine bleibt kleben, das andere glaubst du nicht so richtig.
  4. Du arbeitest doppelt so viel, um dazuzugehören. Als müsstest du dir deinen Platz jeden Tag neu verdienen.
  5. Du wartest auf Erlaubnis, statt dir Raum zu nehmen. Andere fangen einfach an – du wartest, bis du drangenommen wirst.
  6. Du vergleichst dein Innenleben mit der Fassade der anderen. Deine Zweifel gegen ihre Souveränität – ein Vergleich, den du nie gewinnen kannst.

Erkennst du dich in zwei, drei davon, heißt das nicht, dass mit dir etwas nicht stimmt. Es heißt, dass ein alter Maßstab in dir arbeitet, der nicht mehr zu dem passt, was du heute leistest.

Was Selbstwert mit Beziehungen im Job zu tun hat

Als Coach sehe ich das immer wieder: Selbstwert ist der Boden, auf dem alles andere steht. Wie du mit dir selbst umgehst, setzt den Preis, den andere für dich ablesen. Wer sich innerlich klein macht, wird – ganz ohne böse Absicht – auch klein behandelt. Nicht weil die anderen gemein sind, sondern weil Menschen den Maßstab übernehmen, den du vorgibst.

Deshalb hängen die anderen Themen alle daran: Grenzen setzen, gesehen werden, ein schwieriges Gespräch ruhig führen. Das alles fällt schwer, solange darunter der Satz mitläuft „Eigentlich habe ich das gar nicht verdient." Am Selbstwert zu arbeiten heißt nicht, sich künstlich groß zu reden. Es heißt, den eigenen Beitrag nicht länger zu verstecken.

Selbstwert ist kein Charakterzug

Der wichtigste Satz zum Schluss: Selbstwert ist nichts, das du hast oder nicht hast. Er ist veränderbar. Er wächst nicht durch Affirmationen vor dem Spiegel, sondern durch Erfahrungen – dadurch, dass du dich traust, deinen Platz zu nehmen, und merkst, dass die Welt es aushält.

Wenn du diese Muster bei dir wiedererkennst, schauen wir sie uns gemeinsam an – ruhig, ohne Bewertung, an deinen echten Situationen.

Pascal Gabriel