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Ein Kollege kommt gestresst zur Arbeit, sagt kaum ein Wort auf dem Flur – und eine Stunde später ist die ganze Teamstimmung im Keller, ohne dass jemand sagen könnte, warum. Das bildest du dir nicht ein. Es ist ein gut erforschter psychologischer Mechanismus: emotionale Ansteckung.

Was die Forschung zu emotionaler Ansteckung im Team zeigt

Die Organisationspsychologin Sigal Barsade untersuchte 2002 in einer viel zitierten Studie, wie sich Stimmung in Arbeitsgruppen überträgt. In Kleingruppen, die gemeinsam über die Verteilung eines Bonus entscheiden sollten, saß jeweils eine trainierte Person, die gezielt eine positive oder eine negative Stimmung ausstrahlte – ohne dass die anderen wussten, dass diese Person Teil des Experiments war.

Das Ergebnis: Stimmung sprang tatsächlich über, in beide Richtungen. War die eingeschleuste Stimmung negativ, sank die Kooperationsbereitschaft der ganzen Gruppe, Konflikte nahmen zu und die wahrgenommene Leistung fiel ab. War sie positiv, passierte exakt das Gegenteil: mehr Kooperation, weniger Konflikt, bessere Ergebnisse. Es brauchte dafür keinen lauten Ausbruch – Mimik, Tonfall und Körpersprache reichten aus.

Warum das in der Pflege besonders sichtbar wird

Eine Studie mit 252 Pflegekräften und 102 Ärzt:innen italienischer Krankenhäuser fand: Pflegekräfte nehmen Freude und Ärger nicht nur von Führungskräften und Patient:innen auf, sondern besonders stark von Kolleg:innen – und dieser übernommene Ärger hing direkt mit einer Burnout-Dimension zusammen, dem Zynismus gegenüber der eigenen Arbeit.

Aus meiner eigenen Zeit in der Pflege kann ich das bestätigen: In einem Schichtsystem mit Übergaben trägt sich die Anspannung eines einzelnen Kollegen fast automatisch in den nächsten Dienst hinein – lange bevor irgendjemand ein Wort darüber verliert.

Was du tun kannst, wenn du die Ansteckung spürst

Was das nicht bedeutet

Emotionale Ansteckung zu kennen heißt nicht, dass du für die Stimmung deiner Kolleg:innen verantwortlich bist oder sie reparieren musst. Wahrnehmen ist etwas anderes als Verantwortung übernehmen. Es ist völlig in Ordnung, die eigene Stimmung zu schützen, auch wenn das bedeutet, sich einen Moment abzugrenzen.

Quellen & zum Weiterlesen

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