Fachlich bist du oft der oder die Beste im Raum. Du hast die Argumente, die Zahlen, die saubere Logik. Und trotzdem verlässt irgendwie jeder das Meeting genervt. Erkennst du dich?
Die meisten Menschen, die das erleben, ziehen den falschen Schluss: „Die anderen sind eben emotional / unsachlich / zu empfindlich." Manchmal stimmt das. Viel öfter stimmt etwas anderes: Du und dein Gegenüber entschlüsseln dieselbe Situation komplett unterschiedlich – und keiner von euch merkt es.
Psychographie – einfach erklärt
Psychographie beschreibt, worauf ein Mensch zuerst achtet, wenn er kommuniziert. Stark vereinfacht gibt es drei Schwerpunkte:
- Der Sach-Schwerpunkt. Hier zählt zuerst: Stimmt das inhaltlich? Ist es logisch, durchdacht, korrekt? Klarheit ist für diese Menschen eine Form von Respekt.
- Der Beziehungs-Schwerpunkt. Hier zählt zuerst: Wie reden wir miteinander? Fühle ich mich gesehen? Ein perfekt richtiges Argument im falschen Ton kommt hier als Angriff an.
- Der Handlungs-Schwerpunkt. Hier zählt zuerst: Was machen wir jetzt konkret? Lange Analysen ohne Ergebnis fühlen sich für diese Menschen wie Stillstand an.
Niemand ist nur eines davon. Aber jeder hat eine Tür, durch die er zuerst geht. Wenn du immer durch die Sach-Tür kommst und dein Gegenüber durch die Beziehungs-Tür, redet ihr aneinander vorbei – obwohl ihr beide recht habt.
Ein Coaching-Moment – nennen wir ihn Alex
Alex (Name und Details geändert) ist ein hervorragender Entwickler und führt ein kleines Team. In jedem Meeting stieg er direkt mit der Sache ein: Problem, Lösung, nächster Punkt. Effizient, dachte er. Sein Team erlebte es anders – als würde er über sie hinwegfahren. Die Stimmung kippte, ohne dass er verstand, warum.
Im Coaching wurde ihm klar: Für ihn war ein präzises Argument ein Zeichen von Respekt. Für seine Leute fehlten die dreißig Sekunden davor – das kurze „Wie ist die Woche bei euch?". Diese halbe Minute, die er für Zeitverschwendung hielt, war für die anderen der Unterschied zwischen „arbeitet mit uns" und „arbeitet an uns vorbei". Er hat seine Argumente nicht geändert. Nur die Reihenfolge. Das Team wurde ein anderes.
Du musst nicht jeder werden
Es geht nicht darum, dich zu verbiegen oder ständig auf Eiern zu laufen. Es geht darum, zu sehen, durch welche Tür dein Gegenüber geht – und ihm ab und zu dort entgegenzukommen. Das ist keine Manipulation. Das ist Respekt für die Tatsache, dass nicht jeder so tickt wie du.
Wenn du immer wieder aneckst, ohne zu wollen, finden wir gemeinsam heraus, woran es liegt – an konkreten Situationen aus deinem Alltag, nicht an Theorie.