Warum reagiert der eine Kollege auf ein knappes „Passt, machen wir so" erleichtert – und die andere fühlt sich davon übergangen? Psychographie gibt darauf eine erstaunlich praktische Antwort: Menschen achten auf Unterschiedliches.
Woher es kommt
Die Psychographie nach Dietmar Friedmann ist ein Persönlichkeitsmodell, das Friedmann seit den 1970er-Jahren entwickelt hat – beeinflusst u. a. von der Transaktionsanalyse. Er beschreibt sie als eine Art „Landkarte der Persönlichkeit". Im Coaching nutze ich sie nicht, um Menschen in Schubladen zu stecken, sondern um Kommunikation besser zu verstehen.
Die drei Schwerpunkte
Das Modell beschreibt drei Grundtypen – je nachdem, worauf jemand zuerst achtet:
- Beziehungstyp: Für ihn zählt zuerst das Miteinander – Stimmung, Ton, sich gesehen fühlen. Ein sachlich richtiger Satz im falschen Ton kommt als Angriff an.
- Sachtyp: Für ihn zählt zuerst der Inhalt – ist es logisch, korrekt, durchdacht? Klarheit ist seine Form von Respekt.
- Handlungstyp: Für ihn zählt zuerst das Tun – was machen wir jetzt konkret? Lange Analysen ohne Ergebnis fühlen sich für ihn wie Stillstand an.
Niemand ist nur eines davon – aber jeder hat eine „Tür", durch die er zuerst geht. Genau hier entstehen die meisten Reibereien: Zwei Menschen haben recht und reden trotzdem aneinander vorbei, weil sie auf Verschiedenes achten.
Wie ich es im Coaching nutze
Psychographie hilft dir, dein Gegenüber schneller zu „lesen" – und ihm ab und zu dort entgegenzukommen, wo es steht. Das ist keine Manipulation, sondern Respekt für die Tatsache, dass nicht jeder tickt wie du. Oft reicht eine kleine Anpassung in der Reihenfolge oder im Ton, damit dieselbe Botschaft plötzlich ankommt.
Ehrlich eingeordnet
Psychographie ist ein Praxismodell aus dem Coaching- und Beratungsbereich, keine akademisch etablierte Persönlichkeitstypologie mit großer Studienbasis. Wie bei allen Typenmodellen gilt: Es ist eine Landkarte, kein Gesetz – nützlich zur Orientierung, aber kein Ersatz dafür, den konkreten Menschen vor dir wirklich wahrzunehmen. Genau so nutze ich es: als Denkhilfe, nicht als Etikett.
Quellen & zum Weiterlesen
- Psychografie – Wikipedia (Modell nach Friedmann)
- Dietmar Friedmann – Wikipedia (Entwickler des Modells)